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Rechte Jugendoffensive – ein kurzer Abriss

081128 Regina Karsch
02. September 2010 0 Kommentare

Rechtsextremistisches Gedankengut dringt immer weiter in die Gesellschaft ein – das ist bei Weitem kein Novum. Die Qualität, welche aber der rechtsextremistische Mainstream angenommen hat, ist mittlerweile seit Jahren mehr als bedenklich.
Über den Rechtsextremismus wird zumeist berichtet sobald es zu gewalttätigen Übergriffen neonazistischer Jugendlicher kommt. Die Medien geben den Tätern ein Gesicht: Zumeist sind es perspektivlose Jugendliche aus der unteren Bildungsschicht.

Oftmals wird dieses Bild von der Politik untermauert. Aber dieser Vorstellung ist so nicht mehr genug getan.

Viele Jugendliche mit rechtsextremistischer Ideologie kommen mittlerweile aus sog. gut behüteten Familienverhältnissen. Zumeist haben sie einen Schulabschluss und eine Lehre hinter sich bzw. sind in der Ausbildung.

Die rechte Szene ist für Jugendliche jeglicher Gesellschaftsschicht interessant sogar attraktiv geworden. Dies liegt weniger an der Ideologie als eher an dem rechten Mainstream welcher den Jugendlichen vermittelt wird. Rechtsextremistische Musik, beispielsweise, hat sich in diesem Zusammenhang gewandelt. Die dumpfen, zumeist in privaten Kellern aufgenommenen, Songs sind professionellen Aufnahmen gewichen. Jeder Jugendliche kennt heutzutage mindestens ein Lied der rechten Szene. Dabei verstehen Jugendliche oft nicht sofort was für eine kostenlose CD ihnen vor dem Schulhof in die Hand gedrückt wird. Die Neugier und nicht zuletzt die Gewissheit, dass alle rein hören werden tun ihr übriges.

Aber es ist nicht nur Musik welche eine Faszination auf Jugendliche auslöst. Fanzines der rechten Szene gehören ebenso zu diesem Phänomen – auch wenn diese im ersten Schritt zumeist schwer zu erhalten sind. Das Erwerben der Szenezeitschrift führt nicht selten zu einem Gefühl des Auserwählt-Seins welches die Faszination bestärkt.

Ein anderes Mittel Aufmerksamkeit oder gar Interesse bei Jugendlichen zu erwecken ist neben der Verteilung von den o. g. Schulhof CDs das Verfassen von Infoblättern oder auch Schulzeitungen. Diese werden mit jugendtypischen Codes versehen und zeigen ihren rassistischen Hintergrund erst auf den zweiten Blick – die Zeitschrift „Bock“ welche von der Plattform Besseres-Hannover.de vertrieben wird ist eines der jüngsten Beispiele hierzu.
Eine konspirativ durchgeführte Rekrutierung von Jugendlichen in die Szene, wie in den 90er Jahren der Fall, ist heute nicht mehr gegeben. Selbstbewusst wirbt man für seine Ziele. Die neu strukturierte rechtsextremistische Subkultur tut ihr übriges.
Antifa und anti-Antifa sind kaum noch voneinander zu unterscheiden. Diese Erfahrung machten beide Gruppierungen bereits des Öfteren selbst.

Der rechtsextreme Jugendliche von heute ist kaum noch als solcher zu erkennen – sollte er nicht die typischen Codes tragen.
Umgekehrt setzt sich dieses Bild aber auch auf der anderen Seite der Gesellschaft fort. Jugendliche ohne jeglichen rechtsextremen Hintergrund tragen wieder selbstbewusst Marken welche lange Zeit in der Öffentlichkeit als rechts galten (Fred Perry, Lonsdale, etc.). Man erobert sich auf diese Weise seine Räume zurück.
Längst ist die Szene auf die o. g. Marken nicht mehr angewiesen. Das neue Selbstbewusstsein trug auch dazu bei eine Industrie in der Szene zu etablieren welche „von der Szene für die Szene“ ist. Rechte Kleidung erweist sich als Kassenschlager und wird gefördert als auch gefordert.

Die Identifikation der rechten Szene übt eine Faszination auf Jugendliche aus wie kaum eine andere. Das tragen von Codes fördert das Gruppenzugehörigkeitsgefühl – zeugt von Stärke. Hinzu kommt, dass der moderne Rechtsextremismus das martialische Auftreten der letzten Jahrzehnte abgelegt hat. Der moderne Rechtsextremist trainiert fußballbegeisterte Kinder, spendet Blut, engagiert sich in Nachbarschaftshilfe, usw.

Jugendliche welche mit solchen „Strategien“ noch nicht umgehen können sehen in diesem Engagement nichts Falsches und möchten es Ihnen gleichtun.

Es sind weniger CDs, Hefte, Flyer, Ansprechversuche welche Jugendliche in den Bann der rechten Szene ziehen. Es ist vielmehr die Tatsache, dass man in Ihnen und ihrem öffentlichen Auftreten keine hohle Gewalt mehr sieht - bzw. gegenteilig eine gewisse Fürsorge an der Gesellschaft welche fasziniert.
Dieser Bann muss durchbrochen werden!

Regina Karsch, stellv. Juso Landesvorsitzende NDS, Politologin / Referentin Rechtsextremismus
 


Bürgergesellschaft

 

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